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Sommerzeit, Einkochzeit

Einkochgläser aus der Lausitz

Von Helga Heinze

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Lange überlegten die Menschen, wie sie ihre Nahrung haltbar machen könnten, um sich Reserven für Notzeiten anzulegen. Nach der bedeutenden Erfindung, Lebensmittel durch Sterilisieren zu konservieren, begann sich die Glasindustrie auf die Produktion der nun im ganzen Land benötigten Einkochgläser einzustellen. Besonders nach dem ersten Weltkrieg stieg der Bedarf nach diesen Gläsern enorm an.
Die bekannte Firma „J. Weck und Co.“ aus Öflingen/ Baden Württemberg eröffnete nach ihrer ersten Glashütte eine zweite in Friedrichshain bei Döbern/ Brandenburg und eine dritte in Wiesau/ Schlesien (jetzt Wymiarki/ Polen). Der Schriftzug WECK mit der Erdbeere wurde zu einem der ersten Markenartikel, welcher sich bis heute tief im Sprachgebrauch verwurzelt hat, aber nicht jeder weiß, warum er vom "Einwecken" spricht.
Durch Aufklärung und Anleitung der Hausfrauen sowie Angebote von Einkochtöpfen und Zubehör etablierten sich die Schwesterfirmen Weck und Rex auf dem Markt. Seit 1904 wurde die Produktpalette durch ein ständig aktualisiertes Einkochbuch erweitert.
Auch im Glasmacherort Weißwasser in der Oberlausitz verlegten sich einige Hohlglashütten auf die Herstellung von Konservengläsern. Die Hütte „Hirsch, Janke & Co.“ schmückte ihre Konservenglasdeckel mit dem Markenzeichen „Silesia“ (Schlesien) und dem Abbild eines Hirsches.
Die erfolgreichen „Vereinigten Lausitzer Glaswerke AG“ (VLG) verschickten Tausende Waggonladungen Gläser zur Verwendung in Haushalt und Industrie. Die Technologie des maschinellen Glaspressens machte die Produktion am Fließband möglich. Dazu wurden die Produkte stets verbessert, hatten ausgeklügelte Verschlusssysteme wie Nuten, Hohlrand, Vollrand und Flachrand mit entsprechend klangvollen Namen wie „Lusatia“, „Utila“ und „Zenith“. Der bekannteste jedoch, der alle anderen ablöste, war „Monopol“, später kam noch „Metropol“ hinzu.
1936 kostete ein 1-Liter-Konservenglas je nach Ausführung rund 40 Reichspfennige. Der Inhalt der Gläser bewegte sich zwischen ¼ bis 4 ½ Litern. Neben einfachen Konservengläsern wurden auch Sturzgläser für Fleisch, Saftflaschen, Gurkengläser mit Stopfen, Einbinde-, Gelee- und Honiggläser hergestellt. Unter dem Namen „Monopol“ sind im Katalog auch runde Vorratstöpfe mit Deckel aufgeführt.


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In den 1920er Jahren brachten die VLG ein eigenes Einkochbuch mit vielen Rezepten heraus. Dieses Buch war dezent mit Annoncen geschmückt, und ein größerer Abbildungsteil widmete sich den elektrischen Heiz- und Kochgeräten für die moderne Küche von AEG.
Natürlich stellten auch andere Hütten in Weißwasser Konservengläser her, und sicher auch für Auftraggeber mit deren Bezeichnungen. Die Zuordnung aller auf dem Markt befindlichen Produkte gestaltet sich daher sehr schwierig.
Einen profunden Gesamtüberblick verschafft das Glas-Lexikon Obst und Glas von Dr. Hans Gerd S. Engelhardt, welches anlässlich einer Ausstellung der Kettwiger Museums- und Geschichtsfreunde e.V. im Jahre 2006 entstanden ist.
Unter dem Titel „Glück im Glas“ findet man in der Sorbischen Bauernstube Heinersbrück (Brandenburg/ Spree-Neiße) eine repräsentative Dauerausstellung zum Thema Einkochen. Für Sammler von edlen Trinkgläsern, möglichst noch von berühmten Glasgestaltern entworfen, sind Einkochgläser kaum beachtete Küchenutensilien des Industriezeitalters; sie besitzen jedoch eine schlichte Eleganz und erzählen mit ihrer Beschriftung auch ihre eigene, interessante Geschichte. Wenn wir sie jetzt nicht sammeln, werden sie schon bald ausgestorben sein ...


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