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dies und das

Von Bernd-Ingo Friedrich

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Die Karschin macht das Essen salonfähig

Anna Louisa Karsch, die „Karschin“ (1722-1791) war eine bemerkenswerte Frau: Von Verwandten notdürftig unterrichtet; von der Stiefmutter ausgebeutet; zweimal gegen ihren Willen an gewalttätige Trinker verheiratet (der erste – vier Kinder – ließ sich von ihr scheiden, als sie schwanger war; den zweiten – drei Kinder – ließen wohlmeinende Freunde zum Militär pressen, ehe er sie totschlagen konnte), errang sie sich dennoch frühzeitige Anerkennung als Dichterin in ihrem näheren Umkreis. Freunde, die ihr Talent schätzten, vermittelten sie nach Berlin, wo sie in den literarischen Salons schnell zu einer gefeierten Stehgreifdichterin avancierte. Sie verkehrte an verschiedenen Höfen, schrieb zu vertonende Texte für die Äbtissin von Quedlinburg. Sie lernte u.a. Friedrich II., Lessing, Ramler, Sulzer, Mendelssohn und Goethe kennen; mit letzterem stand sie im Briefwechsel. Ludwig Gleim, der sie öffentlich zur deutschen Sappho erklärte, wurde ihr Freund und fast ihr Geliebter. Sie war die Mutter der Karoline Louise von Klenke und Großmutter von Helmine von Chézy.

Das Lob des Essens
An Quintus Icilius

(1764)

Das Lob des Rebensaftes ward
Von keinem Dichter je vergessen,
Doch keiner sang mit gleicher Art
Das Lob vom guten Essen.

Oh, wenn wir von dem Hunger stark
Getrieben sind zum vollen Tische,
Erregt alsdann des Rindes Mark
Der Brustkern, und die Fische,

Das Feldhuhn, oder von dem Reh
Der wohlgebratne zarte Rücken,
Und selbst der Hummer aus der See
Dem Gaumen kein Entzücken?

Wie, wäre nicht aus Calekut
Der Hahn, und eines Hammels Lende
So liederwert als Traubenblut,
Das ich vortrefflich fände?

Sprich, Quintus! wenn Du müd und matt
Ins Lager kamst von Kriegestaten,
Wie reizte Dich das Schulterblatt
Des Ebers frisch gebraten!

Mit welcher Wollust des Geschmacks
Verzehrtest Du, statt der Melonen
Und Pfirsichen, den trocknen Lachs
Beträufelt von Zitronen!

Und wenn Dir noch anjezt Cothen
Nichts darf verbieten, nichts befehlen,
Siehst Du mit Lust die Schüsseln stehn
Und lobst sie vor Pokälen.

(Gefunden in: Anna Louisa Karschin: Gedichte und Lebenszeugnisse. Stuttgart: Philipp Reclam jr. 1987.)



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Der Bauer als Philosoph

„Christian Wagner (von Warmbronn), geboren 1835 in Warmbronn bei Leonberg, gestorben 1918 in Warmbronn [...] war das einzige Kind eines Schreinermeisters und Kleinbauern. Der Besuch eines Lehrerseminars scheiterte an den beengten materiellen Verhältnissen in seiner Familie. Ab 1866 führte er das kleine Gut seiner Eltern selbständig. – Der Bauer als Philosoph: keine ganz ungewöhnliche Erscheinung im spirituell stets sehr aufmerksamen Schwabentum. Die mikroskopische, verinnerlichte Sehweise des Pietismus wandte Wagner auf die Natur an, die er sich als vollständig und auf jeder Stufe beseelt dachte. Ein kurios verzerrtes ‚Indien’ half dem schwäbischen Enthusiasten bei der Befestigung seiner Vision: ‚Ich möchte eine größere Wertschätzung des Lebens einführen ...’ Seine Sonntagsgänge (1887) unternahm er in Begleitung eines fiktiven ‚Brahminen’. Sie führten ihn in das magisch-animistische ‚Friedensreich’ ohne Haß zwischen den Geschöpfen, das man auch von den Bildern naiver Maler kennt. Der Bauern-Denker, der ‚mit Geistern und mit Blumen“ konversierte, fand Hilfe bei H.[ermann] Hesse, der eine Werkauswahl W.[agner]s (1912) besorgte.“

Hausgärtlein im Herbst
(Veröffentlicht 1918)

Dunkelrote Rüben, Kohl und Möhren
An des Gärtleins ausgetretnen Kehren.

Bohnenblätter, angewelkte Schoten
Hier am Zaun dem Frühreif dargeboten.

Einzig noch die Aster steht im Staate
Drüben in dem Tiefgrün der Salate.

Stolzer doch aus schwarzer Beete Krume
Hebt am Weglein sich die Sonnenblume.

Schnurrend in des Schlafbehagens Wonne
Eine Katze liegt dort in der Sonne.

Nesseln, Kletten rings in jeder Ecke,
Dort am Fenster Balsaminenstöcke.

Frommer Glanz von traulich stillen Wonnen
In das Gärtlein ist versponnen.

(Gefunden in: Gustav Noll. Arsenal. Poesie deutscher Minderdichter vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Ausgewählt, bearbeitet, eingeleitet, mit Dichterbiographien versehen und herausgegeben von Bernd Thum. Propyläen Verlag Berlin.)

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