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das und dies

Von Bernd-Ingo Friedrich

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Eine zeitgemäße Unterhaltung
Erdacht vom Verfasser von DAS Kochbuch (oder DEM Kochbuch ...)
(Siehe kulturpixel.de/ der autor.)

Konsumgesellschaft - ein Spiel für beliebig viele Personen.

Sie brauchen dazu:
- 5 Kartons Haribos (z.B. Früchte, Bärchen, Schnecken, Schnüre, Him- oder Brombeeren)
- 20 Gläser Cornichons (das sind diese ganz kleinen sauren Gürkelchen)
- 6 große Schüsseln
- 1 Würfel
Sie kaufen sich von fünf verschiedenen Sorten Haribos je einen Karton und füllen diese in fünf große Schüsseln, in eine sechste Schüssel füllen Sie die Cornichons. Dann würfeln Sie reihum mit einem Würfel; jeder Spieler hat zwei Würfe. Der erste Wurf entscheidet über die Sorte, der zweite Wurf über die Anzahl der Haribos, die der Spieler verfressen muß; zum Beispiel eine 3 = Schnecken, eine 6 = sechs Stück. Wer beim ersten Wurf eine Sechs hat, muß ein Cornichon nehmen. - Wer zuerst kotzt, hat gewonnen.


kb zahnziehen ohne betaeubung


Etwas Besinnliches:
Barthold Heinrich Brockes bedichtet unsere Kauwerkzeuge

Der Kaufmann Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) gehörte der wohlhabenden Hamburger Oberschicht an und konnte sich frei von Zwängen seinen von der deutschen Frühaufklärung inspirierten künstlerischen Neigungen widmen. Sein Hauptwerk ist die naturlyrische Gedichtsammlung Irdisches Vergnügen in Gott, in der die Natur in ihrer Schönheit und Nützlichkeit als Mittler zwischen Mensch und Gott gepriesen wird. In den Gedichten geht es meist selbstgefällig-hymnisch, zuweilen aber ungewollt drollig zu – was auch ihre bis heute anhaltende Beliebtheit erklärt. Bereits Händel vertonte neun Gedichte daraus als Deutsche Arien; durch Arno Schmidt sind sie für die Gegenwart wieder entdeckt worden.

Der Zahn

Um größ’re Schmertzen zu vermeiden,
Entschloß ich mich, daß mir ein Zahn,
Der mir bishero weh gethan,
Würd’ ausgebrochen, zu erleiden.

Weil aber die Natur bey starken Gliedern
(So ich dem Schöpfer nie durch Dank kann g’nug erwidern)
Auch starke Zähne mir verliehen;
So schien es erst, als ob, ihn auszuziehen,
Der kluge Carpser selbst, der an Geschicklichkeit
Kaum seines gleichen kennt, sich etwas scheut’; allein,
Weil ich darauf bestund, war er dazu bereit.

Ich nahm mir vor, die strenge Pein,
Ohn’ alles Zucken, sonder Schreyn
Beherzt und standhaft auszustehen.
Er setzte drauf den Pelican,
Den ich vorhero wohl besehen,
Mit Kraft und Vorsicht an.
Wir hielten uns im Anfang beyde gut:
Er brach; ich hielte fest, doch fester noch der Zahn.
Er knackt’, ich wiche nicht. Doch endlich war mein Muth
Noch eher, als der Zahn, gebrochen.
Es riß ein gräßliches Gekrach,
Wodurch des ganzen Hauptes Knochen
Zu spalten schien, ein kurz doch kläglich Ach
Mir aus der Brust. Die feurig-wilde Pein,
Der bitt’re Schmerz, durchdrang so Fleisch als Bein.
Dieß splittert’, jenes riß, jedoch, zu meinem Leide,
Kein einzig’s ganz entzwey;
Der Sehnen Zähigkeit band sie noch alle beyde.

Den meist gelösten Zahn ergriff der Artzt auf’s neu’,
Und ich vor Unmuth Muth. Er wählt’ aus zweyen Bösen
Das kleinest’, und fing an, das Zahn-Fleisch abzulösen.
Ob ich nun gleich die scharfen Schmerzen fühlte,
Wie er mir dazumal in frischer Wunde wühlte,
Wie er das Fleisch zerschnitt; so wirkete jedoch
Der noch weit größre Schmerz, den, wie es so gekracht,
Der Bruch mir kurz vorher gemacht,
Zusamt der Furcht, es würd’ annoch
Dergleichen gräßliches Geknirsch von neuem kommen,
Daß ich die Pein des Schnitts, wie herbe sie auch war,
Doch nicht so gar
Empfindlich aufgenommen.

Allein,
Mit welcher Lust nahm ich, bey aller Pein,
Den Ursprung meiner Qual, den nunmehr losen Zahn,
Aus Carpsers blut’gen Händen an!
Kaum konnte mir, ihn hin und her zu kehren,
Die Zacken anzuseh’n, ein kalter Schauer wehren,
Der plötzlich mich befiel. Ich leget’ ihn denn nieder.

Itzt aber nehm’ ich ihn auf’s neue wieder,
Beschaue seine Kron’ und messe
Derselben Breit’ und Festigkeit,
Beseh’ der Wurzeln Stärk’ und Größe,
Betrachte die Beschaffenheit,
Wie er im Fleisch gesteckt,
Und werde nun so gar
Dadurch, weil etwas Fleisch daran geblieben war,
Wie eine Haut annoch den ganzen Knochen deckt,
Erstaunt gewahr, woraus ganz klar erscheinet,
Auf welche Weise Fleisch und Knochen sich vereinet.

Es zeiget mir der Rest
Von einer Sehn’, auf welche Weise
An dieser zarten Haut so Fleisch, als Sehne, fest;
Doch geht sie nur so weit, als im Gehäuse
Der Zahn vorher gesteckt. Dieß stellt mir nun von neuen
Ein weises Wunder dar; es scheint absonderlich
So künstlich zugericht’, damit die Haut nicht sich
Verschöb’ und nicht verletzet würd’ im Käuen.

Noch mehr, es kann in der Natur
An freyer Luft ein Knochen nicht bestehen:
Daher wir denn, o Wunder! sehen,
Wie eine künstliche besondere Glasur,
Die ihn so zieret, als ihm nützet,
Den Zahn von außen deckt und schützet.

Daß aus des Kiefers fester Lade
Man Zähne hebet sonder Schade,
Und daß die Wunden, ohn’ Verweilen
Und fern’re Schmerzten, wieder heilen;
Ist auch ein großes Glück.

Je mehr ich nun auf unsre Zähne merke,
Je mehr find' ich ihnen Wunder-Werke.

Daß unsre vord’re Zähn’ im Munde
Die dünnsten, scharf und schneidend seyn;
Das hat vermuthlich dieß zum Grunde,
Und gibt es selbst der Augen-Schein:
Damit die Speisen desto besser,
Ja gleichsam als mit einem Messer,
Dadurch geschnitten werden können.

Bewundernd seh’ ich auch die andern Spitzen,
Die nahe bey den ersten sitzen,
Und die wir Hunde-Zähne nennen.
Durch diese wird, was zäh’, ereilet,
Zerdrückt, zermalmt, zertheilet.

Ist dieses nicht Weisheit g’nug;
So laßt uns auch die Backen-Zähn’
Und ihre sond’re Form besehn!

Daß wir bequemlich und mit Fug
Das Essen
Zermahlen können, reiben, pressen;
Sind diese nicht nur platt und breit,
Nein zu besond’rer Nutzbarkeit,
Mit kleinen Tiefen und mit Höhn
Recht wunderbar versehn.

Wenn nur allein die scharf- und spitzen Zähne hinden,
Die breiten vorn, im Munde stünden;
Wie mühsam würd’ alsdann uns allen
Das itzt so leichte Käuen fallen!

Bewund’re doch, o Mensch, dieß Wunder! stell’ es dir
Dem Schöpfer, der’s gemacht, zum Ruhme, doch öfters für!
Bey jedem Bissen freu dich Seiner Güte,
Und weil er ja für das, was Er bescheret,
Nichts als ein fröhlich’s Hertz, begehret,
So opfer’ Ihm ein dankbares Gemüthe!

(Gefunden in: Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. 9 Bde. Tübingen: Joh. Heinr. Schramm 1721-48.)
Ganz tolle Zahnschmerzen gibt es auch von Thomas Mann in den Buddenbrooks, Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich, und Wilhelm Busch: Der hohle Zahn.

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